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Dänische Glaskunst: Werkstätten & Museen erleben

 · 6 Min. Lesezeit

Glasbläser formt glühende Glasmasse in einer offenen Werkstatt in Dänemark
Beitragsbild: KI-generiert

Das Wichtigste in Kürze:

  • Dänemark ist eines der wenigen Länder, in denen Glaskunst zum Reiseerlebnis wird: Wer offene Werkstätten sucht, findet sie an der Nordwestküste, auf Bornholm und in Kopenhagen.
  • Das Glas – Museet for glaskunst in Ebeltoft und das Hempel Glasmuseum zeigen dauerhafte Sammlungen zeitgenössischer dänischer Glaskunst, die Biennale für Craft & Design 2025 lief dort bis Februar 2026.
  • In Werkstätten wie Det Lille Glashus, Dansk Glaskunst oder bei Jonas Noël Niedermann in Næstved lässt sich Glasblasen live beobachten oder sogar selbst ausprobieren.
  • Für einen eigenen Kurs zahlt man bei Niedermann rund 1500 DKK pro Person für eine Stunde, viele Werkstätten sind dagegen kostenlos zu besichtigen.

Dänische Glaskunst hat sich seit den 1980er-Jahren von handwerklichem Nutzglas zu einer eigenständigen Kunstform entwickelt, die heute Museen, Galerien und offene Werkstätten im ganzen Land füllt. Wer durch Dänemark reist, muss dafür keinen Umweg machen: Von der Nordwestküste über Sjælland bis nach Bornholm liegt die Glaskunst oft direkt am Weg, meist mit offener Tür und Blick auf den glühenden Ofen.

Wo Glaskunst in Dänemark zum Erlebnis wird

Anders als in vielen Ländern, in denen Glaskunst hinter Museumsvitrinen verschwindet, zeigen dänische Glasbläser ihr Handwerk oft direkt vor Publikum. Das unterscheidet einen Besuch hier von einem klassischen Museumsbesuch: Man sieht nicht nur das fertige Werkstück, sondern den Prozess dahinter, das Formen der glühenden Masse, das Drehen der Pfeife, den Moment, in dem aus flüssigem Glas eine Form entsteht.

In Høruphav auf der Insel Als betreibt das Ehepaar John und Ulrika Poulsen die Werkstatt Dansk Glaskunst. Die beiden gelten als die ältesten aktiven Glasbläser Dänemarks, möglicherweise sogar Europas. Ihre offene Werkstatt mit angeschlossenem Laden und Garten zieht besonders im Sommer viele Besucher an, die dem Handwerk bei der Arbeit zusehen wollen.

An der dänischen Nordwestküste, insbesondere rund um den Küstenort Lønstrup, hat sich eine ungewöhnlich hohe Dichte an Kunsthandwerkern angesiedelt. Dort betreibt Glashuset Vange Glas eine offene Werkstatt, in der Besucher die Arbeit direkt verfolgen können. Wer eine Rundreise entlang der Nordwestküste plant, kann Glaskunst so unkompliziert mit einem Küstenspaziergang verbinden.

Museen für dänische Glaskunst

Wer sich lieber einen kuratierten Überblick verschaffen will, findet ihn in Ebeltoft an der Ostküste Jütlands. Das Glas – Museet for glaskunst ist das zentrale Museum des Landes für diese Kunstform und zeigt sowohl internationale als auch dänische Positionen. Im dazugehörigen Hempel Glasmuseum wächst seit 1988 kontinuierlich eine Sammlung zeitgenössischer dänischer Glaskunst, die die Entwicklung vom funktionalen Designobjekt zur eigenständigen Kunstform nachzeichnet.

Von Oktober 2025 bis Februar 2026 fand dort die Biennale für Craft & Design 2025 statt, bei der 26 ausgewählte Werke gezeigt wurden. Der Eintritt kostete 130 DKK für Erwachsene und 30 DKK für Kinder zwischen 6 und 17 Jahren, Gruppen ab 20 Personen erhielten 20 Prozent Rabatt. Die Ausstellung ist inzwischen beendet, das Museum selbst mit seiner Dauersammlung bleibt aber ganzjährig geöffnet und lohnt den Besuch unabhängig von Sonderausstellungen.

Auch außerhalb Dänemarks wird dänische Glaskunst gewürdigt: Im deutschen Coesfeld zeigte das Lette Glass Museum von Oktober 2025 bis Januar 2026 die Ausstellung „Northern Lights“ mit Werken von Finn Lynggaard, der oft als Vater der dänischen Glaskunst bezeichnet wird, sowie dem Künstlerpaar Trine Drivsholm und Tobias Møhl. Diese Schau ist ebenfalls bereits abgeschlossen, macht aber deutlich, welche internationale Reichweite die dänische Szene inzwischen hat.

Werkstätten zum Selbst-Erleben

Wer nicht nur zuschauen, sondern selbst tätig werden will, findet in Dänemark mehrere Anlaufstellen. In Slagelse auf Westsjælland betreibt Det Lille Glashus eine Werkstatt, die sich auf ofengeformtes Glas spezialisiert hat, eine Technik, bei der Glasstücke bei hohen Temperaturen in einem Spezialofen geformt und miteinander verschmolzen werden. Diese Kaltglastechnik unterscheidet sich deutlich vom klassischen Glasblasen und zeigt eine weitere Facette des Handwerks.

In Roskilde hat sich das Glasgalleriet in einem ehemaligen Gaswerk direkt am Hafen niedergelassen. Werkstatt, Ausstellung und Verkaufsraum liegen hier unter einem Dach, Besucher können dem Glasbläser bei der Arbeit über die Schulter schauen und anschließend im Shop stöbern.

Für alle, die tatsächlich selbst zur Pfeife greifen möchten, bietet der Glasbläser Jonas Noël Niedermann in Næstved eine rund einstündige „Hot shop glass class“ an. Der Kurs kostet 1500 DKK pro Person und wird auf Dänisch, Deutsch, Englisch und Italienisch angeboten, allerdings nur nach vorheriger Terminvereinbarung. Wer sich für dieses direkte Erlebnis interessiert, plant den Termin also am besten vorab ein, statt spontan vorbeizukommen.

Bornholm: Glaskunst mit Meerblick

Auf der Ostseeinsel Bornholm hat sich mit Baltic Sea Glass in Gudhjem eine eigene Glasbläserei etabliert, die Werkstatt und Galerie verbindet. Die Insel ist ohnehin für ihre Kunsthandwerker-Szene bekannt, Keramik und Glas gehören seit Jahrzehnten zum kulturellen Selbstverständnis Bornholms. Ein Abstecher zu Baltic Sea Glass lässt sich gut mit einem Tagesausflug entlang der Nordostküste der Insel verbinden, wo ohnehin viele kleine Ateliers und Läden liegen.

Zeitgenössisches Design aus Kopenhagen

Neben den traditionellen Werkstätten hat sich in Kopenhagen eine jüngere, designorientierte Glaskunstszene entwickelt. Die Designerin Helle Mardahl gründete 2017 ihr eigenes Studio in der Hauptstadt und hat sich seither auf skulpturale Glasobjekte, luxuriöses Tafelgeschirr und Beleuchtung spezialisiert. Ihre Arbeiten zeigen, dass dänische Glaskunst längst nicht nur Handwerkstradition ist, sondern sich auch international im Designbereich behauptet. Wer nach der klassischen Werkstatt-Tour noch etwas Zeitgenössisches sehen will, findet in Kopenhagen entsprechende Galerien und Showrooms.

Häufige Fragen

Kann man in Dänemark Glasbläsern live bei der Arbeit zusehen?

Ja, das ist an mehreren Orten möglich und sogar üblich. Werkstätten wie Dansk Glaskunst in Høruphav, Glasgalleriet Roskilde und Glashuset Vange Glas in Lønstrup sind bewusst offen gestaltet, sodass Besucher den Prozess des Glasblasens direkt beobachten können, meist ohne Voranmeldung und kostenlos.

Wie viel kostet ein eigener Glasbläser-Kurs in Dänemark?

Bei Jonas Noël Niedermann in Næstved kostet eine rund einstündige Einführung in das Glasblasen 1500 DKK pro Person. Der Kurs erfolgt nur nach vorheriger Terminvereinbarung und wird auf Dänisch, Deutsch, Englisch und Italienisch angeboten.

Welches Museum zeigt die beste Übersicht über dänische Glaskunst?

Das Glas – Museet for glaskunst in Ebeltoft gilt als zentrale Anlaufstelle, ergänzt durch das angeschlossene Hempel Glasmuseum mit seiner seit 1988 wachsenden Sammlung zeitgenössischer dänischer Glaskunst. Beide Häuser sind ganzjährig geöffnet, unabhängig von Sonderausstellungen wie der inzwischen beendeten Biennale 2025/2026.

Gibt es dänische Glaskunst auch außerhalb Dänemarks zu sehen?

Ja, unter anderem zeigte das Lette Glass Museum im deutschen Coesfeld von Oktober 2025 bis Januar 2026 die Ausstellung „Northern Lights“ mit Werken bekannter dänischer Künstler wie Finn Lynggaard, Trine Drivsholm und Tobias Møhl. Solche Wanderausstellungen wechseln jedoch regelmäßig, ein aktueller Blick auf die Website des jeweiligen Museums lohnt sich vor der Reiseplanung.